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Die UTOPIA Science Fiction Ausgaben im Erich Pabel Verlag



Vorwort
(Heinrich Stöllner November 2018)

Die Titelseiten der UTOPIA Großbände
Diese Serie wurde mit Heft Nr. 204 eingestellt



Qualitativ besser als in der Utopia-Stammreihe sah es bei der Schwesterreihe Utopia Großband aus, die von 1954 bis 1963 erschien, in den ersten vier Jahren mit ca. 15 Heften im Jahr, dann alle zwei Wochen. Die 96 Seiten Heftumfang erlaubten den Abdruck längerer Werke. Mit dem ersten Band dieser Reihe wurde der Terminus "Science Fiction" erstmals auf der Titelseite einer deutschsprachigen Publikation erwähnt.

Das Konzept war anders als im Utopia Kleinband, da in der Reihe von vornherein vorgesehen war, übersetzte Texte zu publizieren. Dass das Werk UFO am Nachthimmel von Walter Ernsting alias Clark Darlton das erste Werk eines deutschsprachigen Autors war, welches in dieser Reihe erschien, ist aber eine Legende. Denn bereits vor diesem Roman war die Con Forster-Trilogie von Henry Walter (Pseudonym von C. V. Rock) im Utopia Großband publiziert worden. Ernsting hatte bereits für die ersten Bände des Utopia Großbands die Rechte einiger Werke des englischen Verlages Curtis Warren besorgt und diese selbst übersetzt. Für genaue Beobachter ist auch deutlich zu erkennen, dass die Titelbilder jener Romane, welche Übersetzungen der vorher bei Curtis Warren erschienenen Titel waren, meist von den Originalbänden nachgezeichnet wurden. Ob das unerlaubte Plagiate waren oder die Kopie in der Lizenzgebühr inkludiert wurde, weil das Originalsujet nicht verfügbar war, ist allerdings nicht bekannt. Walter Ernsting fungierte auch einige Zeit als Redakteur der Reihe und lancierte die erste Leserkontaktseite "Meteoriten", die sehr hilfreich für die Etablierung einer Fanszene mit der im August 1955 folgenden Gründung des Science Fiction Club Deutschland war.

Die übersetzten Titel hatten im Utopia Großband etwa einen Anteil von 2:1 gegenüber deutschen Titeln. Darunter waren durchaus auch einige Spitzenwerke internationaler SF wie Planet der Träumer von John D. MacDonald, Unternehmen Milchstraße von A. E. van Vogt (besser bekannt unter dem Namen Die Expedition der Space Beagle), Macht des Geistes von Poul Anderson, City von Cliffard D. Simak, Mord unter fremder Sonne (besser bekannt unter dem Titel Die nackte Sonne) von Isaac Asimov und Doppelgänger auf zwei Planeten von Robert A. Heinlein. Dazu kamen sechs Romane der Captain Zukunft-Serie. Trotz des größeren Seitenumfanges gegenüber den Utopia Kleinbänden war es bei vielen übersetzten Romanen unvermeidlich, dass sie gegenüber den Originaltexten gekürzt werden mussten. Bei den Titeln deutscher Autoren waren etliche Romane der Perry Rhodan-Gründer Clark Darlton und K. H. Scheer sowie des späteren NASA-Mitarbeiters Jesco von Puttkamer herausragend. Ganz ungewöhnlich für diese Reihe war auch der Past Doomsday-Roman Der Krieg, den keiner wollte des Sun Koh-Schöpfers Paul Alfred Müller alias Freder van Holk. Das Werk beeindruckte damals die Verlagsverantwortlichen so, dass sie den weit aus dem Abenteuerschema der sonstigen Titel herausragenden Roman als einen der wenigen Doppelbände im Utopia Großband publizierten. Ebenfalls als Doppelband erschien auch der einzige Sachtitel des Utopia Großbands Die Geheimnisse des Mars von Robert S. Richardson. Insgesamt war die Utopia Großband-Reihe wie die der Utopia Zukunftsromane von ziemlichen Qualitätsschwankungen geprägt.

Die Namen der Titelbildzeichner zeigen ein ähnliches Bild wie in der Utopia-Stammreihe. Nach den erwähnten Nachschöpfungen der Curtis Warren-Romane kamen Zeichnungen amerikanischer Künstler wie z. B. der bekannten Ed Emshwiller und Ed Valigursky sowie Übernahmen von italienischen Urania-Ausgaben der Zeichner Kurt Caesar und Carlo Iacono. Auch Johnny Bruck und Karl Stephan (als H. Albrecht) und Rudolf Sieber-Lonati waren vertreten, bis Lonati ab etwa Band 140 bis zum Ende der Reihe den Großteil der Titelbilder lieferte.